„Früher“, sagte gestern jemand, „früher sind wir zum Nordkap gefahren, um die Polarlichter zu sehen“.

In der vergangenen Nacht leuchteten sie hier über Bargteheide und Eichede, über Kiel und Ostwestfalen, über Straubing und dem Schwarzwald.

Wenn ich diese Zeilen schreibe, fiebern viele Menschen dem heutigen Nachmittag entgegen; dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Früher ging es um das Gemeinsame, die Frage, was können wir gemeinsam tun, damit wir in dieser Welt gut leben können. Heute warten alle auf die Ansprache eines Mannes, die alles verändern kann. Ein Journalist sagte: Wohl noch nie hat eine Rede das Forum so sehr in ein Davor und ein Danach zerteilt.

Liebe Leser*innen, die Welt verändert sich rasant. Ein Gefühl, dass das Früher keine Relevanz mehr hat, schleicht um. Ein Gefühl, dass Vertrautes, Gewohntes, dass Verabredungen und Gesetze nicht mehr gelten. Mein Weltbild wankt, Ungewissheit treibt mich um.

„Unser Glaube ist das Dennoch“, sagte mein Kollege Simon Jungnickel am vergangenen Wochenende in seiner Andacht auf unserer KGR-Klausur; „unser Glaube ist das Trotzdem“.

Er ist nicht das „Warum“, dass „Wo bist du“, sondern das „Trotzdem“.

Vor einigen Wochen haben wir Gottes „Trotzdem“ gefeiert. Trotz Krieg und Weltverirrung, trotz Unglaube und Ablehnung, trotz Zweifel und Hass hat er ein Kind in die Welt gesandt, seinen eigenen Sohn. Und ein Engel sagt allen, die ungläubig schauen: Fürchtet euch nicht! Habt keine Angst! Seid mutig! Geht aufrecht! Lasst euch nicht an den Rand schieben! Schaut und erzählt es weiter! Euch ist heute der Heiland geboren!

Ein Neuanfang! Ein Dennoch, ein Trotzdem für diese Welte, in diese Welt hinein.

Der Welt zum Trotz sagt Gott zu uns: Fürchtet euch nicht, denn dann leuchtet Klarheit um euch, Licht von seinem Licht!

So gehen wir in den Frühling; mit weihnachtlicher Stärkung und der Perspektive auf das österliche Licht! Denn das Baby, das in der Heiligen Nacht geboren wurde, ist der Mann, der am Ostermorgen den Tod überwunden hat.

Pastor Tim Ströver